Historie

Kinos sollten zu einem Film passen wie ein Rahmen zu einem Bild. Wir versuchen mit dem historischen Rahmen und modernster Technik diesen gelungen Erlebnisraum für die Träume und Geschichten der bunten Filmwelt zuschaffen. Woher wir kommen und wie sich die Kinos im Laufe der Zeit gewandelt haben sehen Sie hier.

Das Kino als Zeitzeuge der Filmgeschichte

Edle Messinglüster und die roten Plüschsessel mit extra viel Platz für die Beine versprechen gemütliche Kinostunden. Wenn man heute das Filmtheater Sendlinger Tor besucht erlebt man eine Symbiose aus modernster Technik und liebevoll erhaltenen Details, die von der ruhmreichen Geschichte des Theaters erzählen. 

1896 - 1928
Der Visionär Carl Gabriel eröffnet die Sendlingertor-Lichtspiele

s1914 0006Der Einzug der "lebenden Photographie" in München erfolgte schon im Jahre 1897. Es war Carl Gabriel, der in seinem Panoptikum an der Neuhauser Straße die ersten Filme zeigte. Gefolgt von Pionieren wie Lindner und einigen anderen wurden die Kinematographen zur Attraktion auf Volksfesten und bahnten sich den Weg vom Jahrmarkt hinein in die Stadt. So hatte München 1907 schon sechs Kinos und bis 1913 stieg die Zahl der Lichtspielhäuser bis auf 40 an. 1913 war es wieder Carl Gabriel der den ersten repräsentativen Theaterbau als ersten Stahlbetonbau Münchens am Sendlinger Tor Platz erbaute und somit wieder einen neuen Abschnitt in die Geschichtsbücher der Stadt und auch der Filmgeschichte Deutschlands schrieb. 


Am 17. Oktober 1913 wurden die Sendlingertor-Lichtspiele mit der Aufführung des historischen Dramas "Die Herrin des Nils" eröffnet. Dazu schrieb Stadtchronist E. v. Destouche: 
sendlinger anzeigen p1914 reklame 002"Seit heute ist München um ein Lichtspieltheater ersten Ranges, in vornehmer, gediegener Ausstattung, reicher, die Sendlingertor-Lichtspiele welche abends und unter Anteilnahme einer glänzenden Gesellschaft hauptsächlich aus literarisch-künstlerischen Kreisen unserer Stadt ihre Eröffnung fanden. Das neue 700 Personen fassende Theater ist mit amphitheatralisch ansteigendem Parkett, mit Rang und Galerie, mit eigenen Zugängen, Treppenhaus, splediter effektvoller Beleuchtung und Warmwasserheizung, kurz allen Neuerungen und Komfort ausgestattet."

 
 

Zur Eröffnungsvorstellung waren nur geladene Gäste zugelassen, die schon Tage vorher durch einen livrierten Boten des Theaters die goldbedruckten Ehrenkarte zugestellt bekamen. Carl Gabriel warb für das „historische Drama in 5 Akten" mit der Schlagzeile: „Das größte Meisterwerk der Kinokunst"


Ob die „Herrin des Nils" diesen Slogan wirklich rechtfertigte, sei - obwohl ihr sogar König Ludwig III. am 14. September 1915 die Ehre seines Besuchs gab - dahingestellt. Als besonderer Clou wurde der von diesem Besuch gedrehte Film direkt nach der eigentlichen Filmvorführung den Besuchern vorgeführt. Carl Gabriel überraschte so nicht nur die königlichen Häupter sondern setzte mit dieser Blitzreportage einen weiteren markanten Punkt in der Mediengeschichte.



In der Zeit zwischen 1920 - 1928 betreibt Carl Gabriel die Sendlingertor-Lichtspiele im UFA-Konzern. Diese 1917, als Universum-Film AG gegründete Firma, konzentrierte sich nach Kriegsende 1918 auf publikumswirksame Genres und stellte in den berühmten Berliner Babelsberg Studios zusammen mit Regisseuren wie Fritz Lang und F.W. Murnau Großprojekte wie „Metropolis“, „Dr. Mabuse“, „Die Nibelungen“ oder „Der letzte Mann“ her, welche oft auch in den Sendlingertor-Lichtspielen ihre Premiere feierten. Schauspieler wie Emil Jannings oder Henny Porten begründeten in diesen Tagen hier Ihren Starruhm. Der Erfolg des Kinos lag sicher auch an der außergewöhnlichen Architektur wie sie  folgendermaßen 1925 im Filmkurier beschrieben wurde:

 
"Die Sendlinger Tor-Lichtspiele sind das stattlichste Theater Münchens. Der Saal hat eine imposante Höhe. Breit und steil steigt eine Empore der Bühne gegenüber an. Säulen durch hochgewölbte Bögen verbunden, bilden die Fassaden der Ränge rechts und links."

 

1925 entstanden auch die ersten Ausgaben der „UFA-Wochenschau“,  welche eine für das Kino produzierte, wöchentlich neu erstellte Zusammenstellung von Filmberichten über politische, gesellschaftlich und kulturelle Ereignisse als Vorprogramm zum eigentlichen Hauptfilm darstellte."

 

1928 - 1944
Die UFA übernimmt das Theater und führt es bis 1945

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1928 übernimmt die UFA die Sendlingertor Lichtspiele komplett von deren Gründer Carl Gabriel, welcher sich in der Zeit danach weiter seinen Schaustellerwurzeln  z.B. auf dem Münchner Oktoberfest widmete. So gehen noch heute das „Teufelsrad“ das „Hippodrom“ und die erste Steilwand auf ihn zurück. In der Zeit nach 1928 kommt es sowohl im Film wie auch in der Politik zu großen Umbrüchen, wobei die Einführung des Tonfilms im Jahre 1930  im Gegensatz zum politischen Wechsel sicher positiv darzustellen ist, obwohl dem Tonfilm damals auch starke Ressentiments entgegengebracht wurden.

 
Die Zeit zwischen 1928, der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und dem Ende des Krieges 1945 sind geprägt von Tonfilmerfolgen wie z.B. „Der blaue Engel“ mit Emil Jannings und Marlene Dietrich oder den Filmversionen von „Berlin Alexanderplatz“ oder Brechts „Dreigroschenoper“. Große Erfolge hatten auch Filmkomödien mit Hans Albers „Grosse Freiheit Nr.7“ und Heinz Rühmann „Quax, der Bruchpilot“ oder  „Die Feuerzangenbowle“, Operetten- und Revuefilme mit Zarah Leander sowie opulente Farbfilme wie „Münchhausen“ (Historische Informationen der UFA Webseite). International erreicht das klassische amerikanische Hollywoodkino um 1939 mit Filmen wie „Von Winde verweht" oder "Citizen Kane“ mit Stars wie John Wayne, Cary Grant oder Errol Flynn ihren ersten Höhepunkt des „golden age


 
 

1945 - 1960
Fritz Preßmar sen. übernimmt das Kino

1945 und 1946 verwaltete Fritz Preßmar sen. das Theater kommissarisch für die amerikanische Militärregierung und beseitigte während dieser Zeit notdürftig die schweren Kriegsschäden. Man berichtet von damals, dass zwar aus allen Ecken noch die Kälte durch die Bombenlöcher des zweiten Weltkriegs drang, aber die Gäste sich diesen Ausblick in die Welt nicht nehmen ließen und so dick vermummt in ihren Wintermäntel im Saal saßen und ihr Atem gefror an den Wänden, so dass das Kino in diesen Wintertagen eher einem Eispalast als einem Filmtheater glich. 1946 wurde das Filmtheater an die Hausbesitzer und damit an die Zivilbevölkerung zurückgegeben und wird seitdem von der Familie Preßmar erst Vater Fritz Preßmar sen. dann Sohn Fritz Preßmar jun. und dann dessen Sohn Christoph Preßmar geleitet. Zahllose Premieren mit fast allen deutschen und vielen internationalen Leinwandgrößen wurden in diesem Theater gefeiert. Viele deutsche Regisseure und Schauspieler auch der jüngsten Vergangenheit haben diesem Theater die Ehre gegeben. Ebenso waren königliche Hoheiten, Ministerpräsidenten, Bürgermeister, Politiker, Philosophen, Opernsänger und viele andere Berühmtheiten Gäste in diesem Filmtheater und standen nicht selten auf dessen Bühne, wobei jedoch die Aufzählung aller Gäste diesen Rahmen sprengen würde.

Die 40er und 50er Jahre

Die meisten deutschen Filme der unmittelbaren Nachkriegszeit kommen aus dem Bereich der Trümmerfilme oder sind Filme mit amerikanischer Herkunft  zu ca. 40%. Nach der kurzen Episode des kritischeren Trümmerfilms setzt man in den 50er Jahren vorwiegend auf Unterhaltungsfilme aus dem Heimatfilm -, Schlagerfilm - oder Kriegsfilm - Genre. Große Erfolge waren hier z.B. „Schwarzwaldmädl“, „Am Brunnen vor dem Tore“ oder „Der Förster vom Silberwald“,  „Einmal nur leuchtet die Liebe“ oder Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“ sowie den Filmen der Münchner Originale Karl Valentin und Liesl Karlstadt . In den USA kam es in dieser Zeit auch zum zweiten Höhepunkt  des „golden age of old hollywood“ mit Filmen wie „Casablanca“ oder „It’s a wonderful life“ um Filmgrößen wie Orson Welles, Howard Hawks oder Alfred Hitchcock. Diese Zeit wird auch als das Kinowunder oder Kinoboom bezeichnet. Hier lenkte man sich oft vom tristen Nachkriegsalltag ab und ging z.B. 1956 durchschnittlich 16 Mal pro Jahr ins Kino (817 Millionen Kinobesucher in Westdeutschland im Jahr 1956). Die meisten Besucher hatte das Filmtheater Sendlinger Tor ausgerechnet im Jahr der Währungsreform 1948 mit einer sagenhaften Zahl von 830.293 Gästen in einem Jahr.

 

Die 60er und 70er Jahre

Am Ende der 50er Jahre war der Filmbesuch in der Bundesrepublik Deutschland stark rückläufig. So wurden 1959 noch 671 Millionen Besucher, aber 1969 nur noch 172 Millionen Besucher in den Kinos gezählt. Diese Kinokrise brachte nicht nur Produktionsfirmen wie z.B. 1962 die UFA zu Fall, sondern reduzierte auch die Zahl der vorhandenen Leinwände in Deutschland von kapp 7.000 auf 3.800. Gründe für diese erste große Kinokrise waren indirekt das Wirtschaftswunder und die damit gestiegenen Einkommen und Möglichkeiten der Freizeitgestaltung sowie die rapide Zunahme der Anzahl der Fernsehgeräte. Die deutsche Filmwirtschaft hielt sich mit Westernfilmen, Filmreihen wie "Winnetou" (Karl May) oder Edgar Wallace bzw. Komödien wie „Die Lausbubengeschichten“ über Wasser. International kam es auch in den USA zu einem toten Punkt. Berühmte Regisseure wie Hitchcock oder Ford hatten ihr Hauptwerk abgeschlossen und die legendären Golden-Age-Star wie Humphrey Bogart oder Cary Cooper waren tot oder wie Cary Grant und John Wayne in die Jahre gekommen. Durch dieses künstlerisches Vakuum entwickelte sich das neue Hollywood mit neuen Stars wie Dustin Hoffman, Peter Fonda, Dennis Hopper oder Jack Nicholson und Filmen wie „Die Reifeprüfung“, „Easy Rider“ oder Woody Allens „Der Stadtneurotiker“. Unabhängig davon feierte das Filmtheater Sendlinger Tor am 18. Oktober 1963 mit der Premiere von „Das Haus in Montevideo“ in Anwesenheit Heinz Rühmann den 50. Geburtstag.

 

Die 80er Jahre

Das Kino der 80er Jahre wurde immer mehr von internationalen Filmen wie „Top Gun“, „Indiana Jones“, „Jenseits von Afrika“, „Beverly Hills Cop“, „Dirty Dancing", „Das Dschungelbuch“, "Rainman“ oder die James Bond und Disney Filme  bestimmt. Aber auch deutsche Großproduktionen wie „Berlin Alexanderplatz“, „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“, „Momo“, „Der Name der Rose“, die Otto Filme, Polts „Man spricht deutsch“ oder Beziehungskomödien wie „Männer“ waren große Erfolge an den deutschen Kinokassen der 80er Jahre. Durch die Umstrukturierung der Medienlandschaft durch die neu gegründeten privaten Fernsehsender und das neue Videomedium wurde ein weiterer  krisenhafter Besucherrückgang in der Kinobranche ausgelöst. Ein großer Teil der Kinobranche suchte einen Ausweg aus der Krise   durch  nicht immer geglückte Teilung ihrer großen Kinosäle in mehrere kleine Schachtelkinos .1988 feierte unterdessen das Flaggschiff unter den Münchner Kinos seinen 75. Geburtstag und versuchte mit unerschütterlichem Glauben der Betreiber an den Reiz der großen Kinoleinwand und an die Faszination Kino auch diese Krisen und Strömungen der Zeit  als großer Einzelsaal zu bewältigen.
 

 

Die 90er Jahre

In den 90er Jahre nahmen erstmals seit langem die Kinobesuche in Deutschland wieder zu, die Zahlen wurden jedoch auch durch die Tatsache verzerrt, dass seit 1991 auch das Territorium der ehemaligen DDR erfasst wurde. In dieser Zeit entwickeln sich auch zahlreiche Multiplexkinos, die im Vergleich zu den  Filmcenter-Schachtelkinos der 80er Jahr zwar auch mehrere Filme zeigten, jedoch nicht in nachträglich schlecht geteilten Sälen , sondern in einem perfekten Verbund von meist mehr als 8 Sälen. Der US-amerikanische Einfluss wurde in der 90er Jahren immer stärker und so landeten fast jedes Jahr amerikanische Blockbuster auf den Spitzenpositionen der deutschen Kinocharts („Pretty Woman“, „Club der toten Dichter“, "Kevin – Allein zu Haus“, „JFK – Tatort Dallas", „Der König der Löwen“, „4 Hochzeiten und ein Todesfall“).  Der Trend des deutschen Film hin zu Beziehungskomödien bestätigte sich auch in weiteren Filmen wie „Allein unter Frauen“, „Abgeschminkt“, „Der bewegte Mann“ oder "Schtonk". Große Erfolge waren auch Joseph Vilsmaiers Filme „Herbstmilch“ oder „Rama dama“, in dem Fritz Preßmar jun. eine kleine Statistenrolle spielte, nämlich passenderweise als Heimkehrer auf der Suche nach dem Kino am Sendlinger Tor.
 

 


Renovierung und Neueröffnung 1997

Nach zweimonatiger Schließung kommentierten die Münchner Zeitungen am 26. September 1997 die glanzvolle Totalrenovierung und Neueröffnung mit den Worten: 
 
"Neuer Glanz für München ältestes  bestehendes Groß-Kino - Das historische Ambiente ist erhalten geblieben, dafür sind Technik und Bequemlichkeit auf höchsten Niveau. Technisch ist das Theater somit auf aktuellem Multiplex- Niveau. Der Reihenabstand wurde in der neuen Bestuhlung wesentlich vergrößert und so sind heute aus den 580 Sitzplätzen nur noch 400 geworden. Die Leinwand wurde doppelt so groß, das Ton System auf Dolby-Digital-Status gebracht, das Foyer umgestaltet und die Theke verlängert. Insgesamt wurde also durch die 1,3 Millionen Mark umfassende Renovierung das Filmtheater Sendlinger Tor zu einem der stilvollsten Häuser Deutschlands. Betritt man das frisch renovierte Haus, fühlt man sich in Zeiten glanzvoller Kino-Epochen versetzt. Luxus und Kinogeschichte vereinen sich ideal.“  „Nur die Ranglogen fielen dem Umbau zum Opfer, da sie uneinsichtbar waren, fanden dort oftmals amouröse Treffen statt“ erzählt schmunzelnd Fritz Preßmar in einer Fachzeitung. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern setzt er wie schon seit seinem Geschäftseinstieg 1970 auf Tradition und Moderne, auf persönlichen Service statt Massenabfertigung und anspruchsvolle Unterhaltung, vorwiegend aus deutschen Produktionen.
 

Seit 1997 bis heute

Seit 1997 feiert das Filmtheater Sendlinger Tor mit Filmen wie „Notting Hill“, „Kundun“, „Die Brücken am Fluss“, „Rendevous mit Joe Black“, „Bridget Jones“, „My Big Fat Greek Wedding“ und vielen deutschen Filmen wie die Vilsmaier Filme „Comedian Harmonist“ und „Bergkristall“ oder Helmut Dietls „Rossini“ oder Rosenmüllers „Schwere Jungs“ Erfolge. Besonders seit der Eröffnung des Mathaeser Multiplexkinos 2003 versucht Fritz Preßmar dieses außergewöhnliche Kino, einem fast hunderjährigen Zeitzeugen der Film- und Kinogeschichte in Deutschland, für die Kulturlandschaft und die treuen Münchner Besucher zu erhalten ohne dabei in Sachen Qualität Kompromisse zu schließen.

 
Dabei folgt er immer seiner Einstellung, dass 100 Jahre Filmgeschichte gezeigt haben, dass Film und Kino vielmehr sein kann und sollte als Monokulturen aus perfekt organisierten Kinoterminals und technischem Sensationskino. Vielmehr sollte es Regisseuren und Schauspielen gelingen den Zuschauer mittels echter Inhalte zu packen, zu verzaubern oder nachdenklich zu stimmen und dies sollte auch in einem zum Film passenden Rahmen geschehen. Kurz Film und Kino sollten zusammenpassen wie ein Bild zu seinem Rahmen. Aus diesem Grund glauben wir, dass wir durch unsere Geschichte, den daraus und durch stetige Anpassungen weiterentwickelten Rahmen und durch das Bestreben ein entsprechendes qualitätsvolles und passendes Kinoprogramm anzubieten ein Marktsegment gefunden haben, welches für Sie, die Kunden, und uns einen Weg in eine Zukunft öffnet, die von Kinovielfalt geprägt sein kann. Fritz Preßmar hofft so, wie schon Carl Gabriel in seiner Eröffnungsrede 1913 folgendem Grundsatz treu zubleiben:

 
Beseelt vom langgehegten Streben,
der neuen Kunst, wie ihr gebührt,
den würdigen Rahmen auch zu geben,
ward dieser Prachtbau ausgeführt.
 

 
Die Bilder stammen aus den Hausarchiv der Pressmar Kinos.
Informationen und Textfragmente wurden den Internetseiten der UFA und der freien Enzyklopädie Wikipedia entnommen.
 
Es freut uns wirklich sehr, dass wir mit Ihnen zusammen das 100jährige Jubiläum feiern können. Der allergrößte Dank geht natürlich an die über 25 Millionen Kinogäste, die wir in den letzten 100 Jahren begrüßen durften und ohne deren Treue und Unterstützung wir dieses Jubiläum gar nicht feiern könnten. Als kleinen Dank dafür haben wir eine Chronik und eine Filmdokumentation in Auftrag gegeben, der die verschiedenen Stationen unseres Kinos noch einmal bebildert. Den Jubiläumsfilm werden wir im täglichen Vorprogramm und hier präsentieren.


ChFilmtheater Sendlinger Tor - 100 Jahre Filmgeschichte. Eine Chronik - Einbandronik

Das „Filmtheater Sendlinger Tor" hat viel erlebt seit es 1913 vom legendären Kinopionier Carl Gabriel gegründet wurde.

Von den Anfängen der Kinematographie bis zum digitalen Kino des 21. Jahrhunderts war der prachtvolle Filmpalast Zeuge aller Entwicklungen der Filmgeschichte und ist im Lauf seiner 100 Jahre zu einer Münchner Institution geworden.Seit 1946 führt die Familie Preßmar das „Schmuckstück" als qualitätsbewusstes Einzelhaus und erhält den Kinogängern ein lebendiges Denkmal der Film- und Kinogeschichte. Mit vielen Photos und Dokumenten lässt diese Chronik die reiche Geschichte des Kinos Revue passieren.

Wir hoffen, dass Ihnen die ausgewählten Bilder und Anekdoten aus unseren Archiven und der Text von Gabriele Jofer gefallen werden und Sie mit uns gemeinsam die einzigartige Geschichte des Filmtheater Sendlinger Tors noch einmal Revue passieren lassen.


 

Filmdokumentation

Die Münchner Filmproduktion Loopfilm hat zusammen mit die Filmdokumentation umgesetzt. Das Filmtheater Sendlinger Tor ist ein Ort mit einer besonderen Geschichte. Seit 100 Jahren werden hier Träume wahr. Seit seiner Gründung vor 100 Jahren hat das Filmtheater Sendlinger Tor viel erlebt: Krieg und Frieden, Not und Wohlstand, gekrönte Häupter und Prominenz aus Kunst, Kultur und Politik. Dabei hat sich das Haus stets seinen ganz besonderen Flair erhalten. So ist es mittlerweile das einzige Großkino Münchens, dass seinen einzigartigen Saal nahezu unverändert erhalten hat. Zu verdanken ist dies vor allem der Familie Preßmar. Seit knapp 70 Jahren führt sie das Haus als Familienbetrieb, mittlerweile in der dritten Generation. Als einzigartiges Einzelhaus mit preisgekröntem Programm ist es zum Bewahrer einer großen Kinotradition und zu einem lebendigen Teil Münchener Stadtkultur geworden. Prominente, Wegbegleiter, und die Besitzer des Filmtheater Sendlinger Tore nehmen sie in dieser Kurzdokumentation mit auf eine Zeitreise durch 100 Jahre faszinierender Kinogeschichte.
 

Seit 1954 ein Zuhause für anspruchsvolles Publikum

Damals eine Sensation – Der eigentliche Kinosaal, welche über eine breite Treppe vom Erdgeschoß ins Souterrain erreicht wird, befindet sich zur Hälfte unter dem Niveau der Neuhauser Straße und besticht durch seine geschmackvolle Einrichtung.

Das neue Theater, das in seiner ganzen Ausstattung eine wohltuend – zurückhaltend vornehme Atmosphäre besitzt, hat 300 hochgepolsterte Sitzplätze. Auch technisch ist das Kino außergewöhnlich, die Klimaanlage, die der künstlerisch ausgezeichnet ausgestattete Zuschauerraum erhielt, strömt durch die Decke durch unzählige Poren frische vorgewärmte Luft ein. Die verbrauchte Luft wird über Kanäle in Fußboden abgesaugt.

Am 11. November 1954 eröffneten die Brüder Fritz und Gustav Preßmar nach einer Bauzeit von knapp vier Monaten, mitten in München in der Neuhauser Straße 3, „Münchens modernstes Filmtheater“. Das „netteste und geschmackvollste Filmtheater" (Zitat aus der Abendzeitung) eröffnete mit dem Walt Disney Farbfilm „Die Wüste lebt“.
Die Familie Preßmar betonte, dass das Tivoli-Theater für anspruchsvolles Publikum gedacht sei und dort nur beste Erstaufführungen starten werden, ohne jedoch den Charakter eines reinen Filmstudios anzunehmen. Die 300 Sitzplätze bieten die Möglichkeit, gerade jene guten Filme zu zeigen, die zwar ein großes Haus nicht füllen, jedoch einem interessierten Publikum über längere Laufzeit zugänglich gemacht werden können. Diesem Konzept wünschte auch Walt Disney persönlich in einem Glückwunschtelegramm zur Eröffnung mit seinem Film „Die Wüste lebt“ alles Gute und schrieb „Ich danke herzlichst, dass Sie mich so ehren und wünsche Ihnen von Herzen viel Glück“.

Große Erfolge mit internationaler Filmkunst

Im Tivoli, das mit Fellinis „La Strada“ 1957 130.535 Besucher erreichte, und das immer Münchens Innenstadt-Haus für gehobene europäische und internationale Film-Unterhaltung war, wie "Amadeus" (245.499 Bes,) "Die Wüste lebt"(156.598 Bes.) "Tootsie" (148.460 Bes.) "Jenseits von Afrika" (147.848 Bes.)" "Faust"( 143.572 Bes.),"Einer flog übers Kuckucksnest" (143.156 Bes.) "Harry und Sally"( 131.271 Bes.), „Das wilde Schaf“(101.416 Bes.), Der verlorene Kontinent"(101.416 Bes.), "Die Blechtrommel" (94.258 Bes.), "Ein Mann und eine Frau"(90.380 Bes.) "Die Ferien des Monsier Hulot" (82.596 Bes.) „Der letzte Kaiser“ (82.520 Bes.) ,"Zeugin der Anklage" (75.526 Bes.) „Chinatown“( 73.991 Bes.), „Der Tod in Venedig“(73000 Bes.), "Hiroshima, Mon Amour" (72.655 Bes.) oder "Die 12 Geschworenen"( 61.531 Bes.).v.a. versucht die Familie Preßmar weiter hohes Film-Niveau zu halten, auch wenn heute solche Besucherzahlen wegen der oft völlig überzogenen Mehrfachvermietung und den dadurch verkürzten Laufzeiten leider nicht mehr zu erzielen sind.

Gustav Preßmar und Guiletta Masina auf der Bühne des Tivoli-Theaters (1957) - Fritz Preßmar sen. im Gespräch mit Guiletta Masina.

Internationale Stars und gekrönte Häupter

In der goldenen Zeit des Kinos war das Tivoli Theater oft die Bühne für Premieren außergewöhnlicher Filme. So waren in den folgenden Jahr u.a. Schauspieler wie Guiletta Masina, Hans Albers, Ruth Leuwerik, Theo Lingen, Karlheinz Böhm, Liesl Karlstadt, Marika Rökk, O.E.Hasse, Robert Graf, Carl Wery, Marianne Koch, Hannes Messemer, Josef Meinrad, Karl Schönböck, Gert Fröbe, Leni Riefenstahl, Therese Giehse, Elisabeth Flickenschild, Heinz Rühmann und Hertha Feiler, Mario Adorf, Tony Curtis, Romy Schneider und Regisseure wie Vittorio de Sica,Bernhard Wicki, Roman Polanski, Philippe de Broca u.v.a. Gäste des Tivoli Theaters.

Verkleideter Charlie Chaplin Schauspieler als Werbe-Attraktion vor dem Kino (1956)
Außenwerbung für den Film "Hiroshima, mon Amour" (1960).


1961 besuchte das griechische Königspaar, Königin Friederike von Griechenland, König Paul von Griechenland sowie Prinz Georg von Hannover, Prinzessin Sophia von Hannover und Michael von Kent den Film „Traumland der Sehnsucht“ in Tivoli Theater. Gustav Preßmar begrüßt Romy Schneider zur Premiere des Films "Das Mädchen und der Kommissar" von Claude Sautet (1971). Das Photo zeigt Romy Schneider und ihre Mutter Magda Schneider in der Loge des Tivoli-Theaters.

Preßmars Politik des guten und doch effekt­vollen Films brachte auch Wunder fertig, die in der Branche immer wieder nur mit Staunen zur Kenntnis genommen wurden. Denn wenn Preßmar an einen Film glaubt, dann spielt er ihn konsequent - auch über Durststrecken hinweg, die kaum ein anderer Kino-Besitzer durchzu­stehen bereit ist und was oft mit der Kino-Spitzenposition (Besucherrekord) in Deutschland belohnt wurde. So schaffte das Tivoli zum Beispiel mit „Amadeus“ in 64 Wochen Spielzeit sensationelle 245.000 Besucher. Auch „Harry & Sally“ erreicht durch die längere Auswertung in München alleine im Tivoli-Theater außergewöhnliche 8,48% des bundesdeutschen Gesamteinspiels(= 131.271 Besucher) und damit mehr als die gesamte Stadt Berlin.

Zur Tradition des Kinos gehört es seitdem, dass die Familie Preßmar in ihrer Programm-Politik mit Erfolg versucht Kunst und Publikums­wirksamkeit zu vereinen. Die Filme der Regisseure Fellini, Lumet, Wilder, Chaplin, Resnais, Bunuel, Welles, Polanski, Antonioni, Bergman, Truffaut, Sautet, Tati, Visconti, Malle, Schlöndorff, Pollack,Redford, Forman, Bertolucci und Kurosawa machten Besucherzahlen, von denen in anderen Städten oft nur geträumt wurde. Da Preßmar sein Publikum nie enttäuschte und sich mit seinem Programm stets hundertpro­zentig identifizierte, entstand über Jahrzehnte ein Vertrauensverhältnis zwischen seinem Kino und dem Publikum, das auch schwierigen Bewährungsproben standhielt.


Nach der großen Renovierung des Filmtheater Sendlinger Tor im Jahr 1997 wurde ein Jahr später auch das Tivoli Theater aufwendig renoviert.